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Vegane Ernährung – wie sich mein Essverhalten veränderte

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Deutsch / Nutrition / Personal / Veganism

Vegane Ernährung – wie sich mein Essverhalten veränderte

Nachdem ich mich schon seit 7 Jahren vegan ernähre, ist es nun an der Zeit, mein Ernährungsverhalten Revue passieren zu lassen und zu reflektieren, was sich seit meiner Umstellung so verändert hat.

Von Fertiggerichten zu Hirsetalern

Als Kind und insbesondere als Teenager war ich eine sehr wählerische Esserin. Vieles hat mir nicht geschmeckt und am liebsten mochte ich Fertiggericht: Pizza, Baguette – Hauptsache, aus dem Ofen. Es ging sogar so weit, dass ich Fertiggerichten der hausgemachten Variante bevorzugte. In anderen Worten: Ich war vollends Opfer der Lebensmittelindustrie, die mit Aromen, Fett, Salz und Zucker meine Geschmacksknospen formte. Nur das Essen meiner geliebten Oma konnte das noch überbieten.

Dann kam schließlich mit 15 Jahren mein Entschluss, mich vegetarisch zu ernähren. Die Begeisterung meiner Familie hielt sich in Grenzen und es stellte uns alle vor ein neues Problem: was kommt nun auf den Tisch? Ein Vorteil war, dass es bei uns ohnedies selten Familienessen gab und so konnte ich mich mehr oder weniger gut selbst verköstigen. Allerdings musste ich erstmal kochen lernen und das, was ich bisher kannte, umdenken. Denn vegetarisch kocht man einfach anders als mit Fleisch, da hier nicht nach dem Prinzip von “Fleisch mit Beilage” gedacht wird, sondern die Beilage wird zum Hauptgericht. Dazu kam mein Skepsis gegenüber vielen Grundnahrungsmitteln – das konnte ja heiter werden!

Immerhin gab es noch einen kleinen Teil an Fertigprodukten, die mich nach wie vor begleiten konnten. Allerdings war das Angebot von vegetarischen Produkten in Österreich 2007 eher bescheiden – von veganen Produkten ganz zu schweigen. Somit stand ich an einem Punkt, wo ich wusste, dass sich einiges ändern musste. Ich begann, Stück für Stück mehr Gemüse und Grundnahrungsmittel zu verwenden, wenn auch mehr schlecht als recht, und meine Geschmacksknospen von Fertiggerichten zu entwöhnen. Das lief eigentlich gar nicht so schlecht, fand ich. Heute weiß ich, dass meine Ernährung damals nach wie vor einseitig war, wenn ich an die Lebensmittelvielfalt denke.

Die unendliche Welt der veganen Produkte

7 Jahre lang ging das alles ganz gut. Durch meinen Umzug nach Berlin im Jahr 2012 begegnete ich dort immer mehr veganen Restaurants und Gerichten, abgesehen von den zahlreichen Restaurants aus den unterschiedlichsten Ländern: Vietnamesisch, Äthiopisch, Indochinesisch; die ganze Welt war vertreten. Das alles hat mein eingeschränktes Verständnis von Lebensmitteln und Zubereitung erstmal völlig überfordert, aber Schritt für Schritt habe ich mich an das Ungewisse herangetastet, meine Gewürzpalette hat sich immer mehr vergrößert und dasselbe galt für die unterschiedlichsten Körner und Hülsenfrüchte, die nun zu meinem Lebensmittelvorrat zählten.

Als ich mich schließlich 2014 dazu entschied, vollständig vegan zu leben, hat sich das Blatt erneut gewendet. Denn interessanterweise weiß ich heute, dass, obwohl so viele Produkte und Lebensmittel nun nicht mehr auf meinem Speiseplan standen, die Vielfalt der Lebensmittel, die ich zu mir nahm, deutlich größer war als über die letzten Jahre. Lupine, Mungbohnen, Tempeh, Seitan und Kichererbsenmehl standen früher nie auf meinem Speiseplan – nicht mal als Vegetarierin. Denn auch 2014 war der Markt für vegane Ersatzprodukte überschaubar, was sich zu meinem Vorteil herausstellen sollte, denn ich musste vieles selbst herstellen oder mir Alternativen überlegen – worüber sich auch mein Portemonnaie freute.

Dazu kam, dass ich durch meine lange Zeit als Vegetarierin ohnehin nicht nach Fleischersatzprodukte suchte, da ich mich schon so lange davon entwöhnt hatte und mit Milchprodukten und Eiern auch kein Bedürfnis danach verspürt hatte. Heute weiß ich diese Produkte wieder zu schätzen, auch wenn sie nur selten auf meinen Teller kommen. Vor allem sehe ich sie als Produkte, die vielen Menschen den Übergang zum Veganismus erleichtern und eine attraktive Alternative zu tierischen Produkten bieten können.

Verzicht sieht anders aus

Nach dieser jahrelangen Reise mit zweifacher Ernährungsumstellung kann ich heute sagen, dass ich mich deutlich ausgewogener ernähre als vor 14 Jahren. Mein Essverhalten ist für mich so normal, dass ich es mir gar nicht anders vorstellen kann und will. Das ist sowohl auf den steigenden Verzicht auf tierische Produkte zurückzuführen, aber auch auf den Umzug in die Großstadt und die Konfrontation mit Küchen als aller Welt.

Ob Bánh Mi, Chana Masala oder Mesir Wat, heute kommt eine bunte Vielfalt auf meinen Teller – von kulinarischer Einschränkung kann ich in diesem Fall überhaupt nicht sprechen.

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